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Yoko Tawada: “Sendbo-o-te”

Keine Dystopie, aber auch kein aufmunternder Durchhalteroman. Eine Erzählung über das Leben unter dem Aspekt seiner Unentrinnbarkeit. Ein existentialistischer Roman ohne Pathos. (Peter Pörtner)

Nach der Katastrophe hat Japan alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Yoshiro stellt sich manchmal vor zu reisen. Aber selbst wenn er es könnte, würde er nicht verreisen, denn er kümmert sich mit großer Liebe um seinen Urenkel Mumey.
Alle Kinder in der Zeit werden krank geboren, zugleich sind sie weise und fröhlich, ein Hoffnungsschimmer, aber ihr Leben hängt am seidenen Faden. Nur die Uralten leben immer länger. Yohiro, einer dieser “alten Alten”, war als Student mit einer Frau aus Deutschland befreundet. Manchmal fragt er sich, ob sich die Umwelt dort auch so verändert hat wie in Japan. Wie es den Urenkeln geht.
Als der Alltag schwieriger wird, versucht eine geheime Organisation, ausgewählte Kinder als “Sendboten” ins Ausland zu schmuggeln, zu Forschungszwecken.
Die Auswirkungen sind nur in kleinen Details zu spüren, die beim Lesen erst nach und nach, dafür umso eindringlicher, ins Bewußtsein sickern – erzählt in der leichten, glasklaren Sprache Yoko Tawadas.
Es schimmern viele andere Geschichten durch: wie Japaner und wie Europäer mit Katastrophen umgehen, “japanische Psyche”, Historisches … Geschichten und Bewegungen laufen parallel, queren sich, kommen zusammen, steuern auf das Ende zu.

Yoko Tawada, geb. 1960 in Tokyo, lebt in Berlin. Schriftstellerin; schreibt in deutscher und japanischer Sprache. Buchveröffentlichungen, zuletzt: “Etüden im Schnee, akzentfrei”, “Ein Balkonplatz für flüchtige Abende” und “Sendbo-o-te”.

Moderation: Ulrike Janssen

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe DIALOGE, in Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft Ruhr
Gefördert von der Kunststiftung NRW und dem Kulturamt Köln