« Alle Magazinbeiträge

„Weil Kalk im Kommen ist!“ – die KLiteratur im Gespräch

Jonas Linnebank und Philipp-Bo Franke bringen frischen Wind in die Kölner Literaturszene. Beziehungsweise: in die KLiteraturszene – denn „KLiteratur“ heißt die Zeitschrift, die sie jüngst aus der Taufe gehoben haben. Sie ist das erste Projekt des 2017 gegründeten KUNTs e.V., und jüngst ist die Premieren-Ausgabe erschienen. Höchste Zeit für ein Gespräch mit den stolzen Gründern!
Von Lea Merz

 

Bevor wir zu eurem Projekt kommen, erstmal zu euch: Wer seid ihr und woher rührt eure Leidenschaft für Literatur?

Bo: Ich bin Bo, 27 Jahre alt. Ich glaube, das Literaturstudium habe ich erst spät für mich entdeckt, vorher habe ich mehr in der Philosophie vor mich hin studiert und merke auch, dass ich dadurch eine ganz andere Art habe, an die Texte heranzugehen. Ich bin nicht so ein leidenschaftlicher Leser wie Jonas, aber ich habe sehr viel Spaß an aller möglichen Kunst. Literatur ist zwar das Gebiet, wo ich mich am ehesten zuhause fühle, aber ich sehe mich eben eigentlich nicht als „Literaturfuzzi“ oder Literaturwissenschaftler.

Jonas: Ich bin Jonas, ich bin ein Literaturfuzzi. Ich habe im Studium, vor allem in Englisch, immer sehr gerne Literatur- und Kulturwissenschaften gemacht. 2012, glaube ich, habe ich angefangen, selber zu schreiben, Kurzgeschichten und Gedichte, die dann auch in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, zum Beispiel in der Mosaik-Zeitschrift. Was einem schon einen Push gibt. Das Deutschstudium habe ich erst in den letzten zwei Jahren durch entsprechende Professor*innen richtig ernstgenommen.

Und aus diesem relativ neuen, tiefergehenden Interesse an Literatur ist dann schließlich die KLiteratur hervorgegangen?

Bo: Die Idee zur Zeitschrift kam vor ungefähr anderthalb Jahren. Ein Aufhänger war unter anderem ein Lyrik-Seminar, in dem es für uns gefühlt nur um Formzuschreibungen und Genres ging und seltener um das, was da eigentlich an Inhalt vor einem liegt. Im Prinzip sitzt man am Küchentisch, hat eine Idee, spinnt rum und ist selber überrascht, wenn es funktioniert.

Jonas: Und man ist natürlich davon überzeugt, dass man irgendwas anders macht als die Anderen … (lacht)

Findet ihr denn, dass zu wenig gelesen wird? Wollt ihr Lesen populärer machen? Oder wollt ihr einfach zu „anderem“ Lesen anstiften?

Bo: Uns ist besonders während wir die Zeitschrift gemacht haben und sich unsere Vorstellung von Literatur konkretisiert hat, aufgefallen, dass viele Leute zu schnell sagen „Ach mit Literatur hab‘ ich nichts am Hut, ich lese zwar Romane und Krimis und so, aber keine Kurzgeschichten oder Gedichte“. Literatur gilt also oft noch als verschlossen, als kompliziert. Wir finden: Für Literatur muss man eigentlich nur lesen können!

Jonas: Und man muss auch nicht notwendigerweise etwas damit anfangen können, also nicht mit jedem Text. Wir haben versucht, die KLiteratur so zu gestalten, dass man auch Texte überblättern kann, aber dass immer mal wieder Aufhänger kommen, die einen irgendwie packen. Die KLiteratur soll man auch mal für Wochen in der Ecke liegen lassen können und später trotzdem wieder etwas Interessantes finden, wenn man sie einfach aufschlägt.

Was wünscht Ihr euch für die Kölner Literaturszene?

Jonas: Ein Wunsch wäre, dass die Literaturszene raus kommt aus ihrem verschlossenen Mauerblümchendasein. Und dass sie mit mehr Mut auftritt.

Bo: Mehr Pop und mehr Punk in die Kölner Literaturszene!

Jonas: In die KLiteraturszene!

Das beantwortet dann eigentlich auch schon die Frage, warum Köln die KLiteratur braucht…

Jonas: Weil sie anders ist.

Bo: Die KLiteratur ist nämlich vor allem zugänglich. Und praktisch!

Jonas: Praktisch! Man kann sie sich über den Kopf halten, wenn es regnet oder sie in Benzin tunken und anzünden. Sie ist also auch als Druckprodukt sehr gut …

Bo: Sie ist sehr offen. Darin sehe ich eine Stärke der Zeitschrift: Wir fragen auch in der aktuellen Ausgabe nach Antworttexten, nach Bildern zu den Texten, nach Kommunikation und Diskussion.

Wie sieht die erste Ausgabe aus?

Bo: Das Thema ist „Gott“. Wir hatten keine klare Vorstellung davon wie die erste Ausgabe aussehen soll, die ist wirklich mit den Texten und den Bildern und durch deren Verbindung entstanden. Die Idee ist schon, dass sich, je nachdem wie die Texte es brauchen, die Zeitschrift ergibt und es keine wahllose Textsammlung ist.

Richtet sich die KLiteratur an bestimmte Leute?

Jonas: Am liebsten hätte ich natürlich eine Auflage von 20.000 statt 1000 Stück, aber wir wollen vor allem, wie Bo schon sagte, an diesem Elfenbeinimage der Literatur arbeiten. Wir wissen, dass wahrscheinlich ein Großteil der Leserschaft literarisch, akademisch gebildet, links und alternativ sein wird, aber wir wollen eben dadurch, dass die KLiteratur ein Magazin ist, auch in die populäre Richtung. Wir wollen nicht nur um des Undergrounds Willen underground sein.

Und wie sieht eure Arbeit praktisch aus? Wer arbeitet alles im Verein und an der Zeitschrift?

Bo: Ich wohne seit einer Weile bei Jonas und dadurch redet man schon morgens beim Frühstück über die Zeitschrift, einfach immer, wenn man sich eben sieht. Es gibt eine offene Redaktion aus etwa sieben Leuten, deren Meinung wir schätzen, die wir ein paar Mal getroffen haben um Ideen zu besprechen, zu sammeln und Feedback zu bekommen. Ganz wichtig beim Praktischen ist Marleen Böcker, sie hat das Layout gemacht und gehört auf jeden Fall zum festen Team!

Ihr seid zur Finanzierung der ersten Ausgabe auf Förderung und Spenden angewiesen und habt auch in einer Mail zu Spenden aufgerufen. Wie läuft das bis jetzt und wo fängt man an, wenn man eine Zeitschrift auf die Beine stellen will?

Bo: Inzwischen sind wir nur über Spenden auf etwa 2000 Euro gekommen. Was für uns neu war und viel Arbeit, die sich aber sehr gelohnt hat, war, sich um öffentliche Gelder zu bewerben. Das mussten wir erstmal lernen und es hat geklappt! Der Druck wurde von der Stiftung KalkGestalten gefördert und die Release-Party freundlicherweise vom Kulturamt Köln.

Jonas: Und gerade über die Unterstützung von KalkGestalten haben wir uns sehr gefreut.

Warum gerade darüber?

Jonas: Weil Druckkosten selten gefördert werden und das aber ein sehr wichtiger Posten ist.

Bo: Und natürlich, weil wir mit Kalk sehr verbunden sind, weil wir dort wohnen und weil der Verein in Kalk ist. Weil Kalk im Kommen ist!

Jonas: Das ist auch gerade unser Ziel, die Kultur auf die Schäl Sick zu holen! Darum auch die Veröffentlichungsparty in Poll. Weil man eigentlich nicht immer auf die Aachener Straße fahren muss, wo alles teurer und kleiner ist, sondern auch einfach mal dahin kann, wo noch Platz ist und wo es cool ist.

Bo: Im Moment gibt es von KUNTs e.V. zwar nur die Zeitschrift, aber der Verein ist schon auch als Plattform gedacht, die mittel- und langfristig Impulse geben kann. Wir würden uns freuen, Leute mit ihren Projekten zu unterstützen.

Gibt es eine Autorin/einen Autoren, die/den ihr unbedingt mal für die Zeitschrift gewinnen wollt?

Jonas: Ich würde gerne für eine der nächsten Ausgaben einen Prof von mir interviewen. Der weiß noch nichts von seinem Glück, aber das ist relativ realistisch. Lady Bitch Ray wäre cool! Was uns beide sehr freut ist, dass Nurduran Duman in der ersten Ausgabe mit dabei ist. Da bin ich schon auch ein bisschen stolz, dass wir die ersten sind, die diese Übersetzung drucken. Die wurden mal für die Poetica gemacht und das Buch ist noch nicht verlegt. Da war es mir wegen der großen türkischen Community sehr wichtig, dass die Texte dann auch auf Türkisch bei uns erscheinen.

Vielen Dank für das Gespräch! 

 

[Mehr Infos zur KLiteratur und zum KUNTs e.V. auf dieser Website, mehr zu den Machern bei den Kolleg*innen vom Stellwerk-Magazin!]