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Péter Nádas: „Aufleuchtende Details“

Buchvorstellung und Gespräch mit Péter Nádas

Während Nádas‘ Mutter am 14. Oktober 1942 in Budapest mit der Straßenbahn zur Entbindung fährt, liquidiert ein Einsatzkommando das Getto in Mizocz, Anne Frank zeichnet das Gewicht jedes Familienmitglieds auf, Jan Karski übermittelt in den Pyrenäen der polnischen Exilregierung Nachrichten des Widerstands, und Viktor Klemperer erhält in Dresden kein Brot.

Jedes Ereignis, so Nádas, wirkt auf alle anderen Ereignisse ein – ob in der Politik oder der privaten Lebensgeschichte. Es sind jene Momente, die Geschichte fassbar machen und Erinnerung konstituieren – eben die „aufleuchtenden Details“. Deren weitgespannten Verflechtungen folgen Péter Nádas‘ Memoiren nicht chronologisch, sondern assoziativ, wie in seinen großen Romanen. Und durch jede einzelne Episode zieht sich die geheime Frage: Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin, wenn jede persönliche Erinnerung, jede Prägung, untrennbar mit Geschichte verstrickt ist? Wenn jeder Moment des Lebens nur die Spitze eines Eisbergs ist? In die finsteren Tiefen des 20. Jahrhunderts wirft, so Nádas, auch die europäische Aufklärung kaum noch Licht. Und so erzählt dieses Buch nicht zuletzt davon, wie Identität unter schwierigen Bedingungen wächst, während sie sich permanent im Strom der Zeit zu verlieren droht.

Péter Nádas, ist Fotograf und Schriftsteller. Bis 1977 verhinderte die ungarische Zensur das Erscheinen seines ersten Romans „Ende eines Familienromans“. Sein „Buch der Erinnerung“ erhielt zahlreiche internationale Literaturpreise. Unter anderem wurde Nádas mit dem Kossuth-Preis, dem Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung und dem Franz-Kafka-Literaturpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Roman „Parallelgeschichten“.