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Heinz Helle

Ein einziger Gedankenstrom auf zweihundert Seiten, kein Absatz, keine Kapitel. Es ist der Tod des älteren Bruders, der den Erzähler zu dieser Suada antreibt, die Erinnerung an ihre letzte Begegnung. In einer Münchner Kneipe redet der alkoholkranke Bruder auf den jüngeren ein, über ungezählten Bieren spricht er vom Bösen, vom Abgrund und vom Wagnis, dennoch ein Kind in diese Welt zu setzen, die ihm zusehends entgleitet. Heinz Helles Die Überwindung der Schwerkraft ist ein Schlag in die Magengrube, ein wütender Erzählrausch – und wunderschön.

Nach Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin und Eigentlich müssten wir tanzen ist Die Überwindung der Schwerkraft (Suhrkamp) Heinz Helles dritter Roman und formal sicher der virtuoseste. Der Monolog des älteren Bruders, der sich in den unablässig erinnernden Erzählstrom des jüngeren montiert, mäandert durch die Zeitebenen und erkundet die dunkelsten Sphären der Menschheit: den Fall Dutroux, den Nationalsozialismus, die Verlockung der Selbstjustiz. Und doch bergen die betrunkenen Reden des Bruders einen verzweifelten Versuch, trotz allem an eine Zukunft zu glauben, an die Möglichkeit, weiterzumachen. Über die berauschte Rede als erzählerische Form, über das Böse und die Versuchung des Zynismus spricht Heinz Helle mit Johannes Franzen (Universität Bonn).