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GEORGIEN UND DER KAUKASUS: Ein Abend mit der Übersetzerin Rosemarie Tietze

Georgien ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse – Anlaß für uns, erneut Rosemarie Tietze einzuladen: mit Andrej Bitows Georgisches Album und Lew Tolstois Krieg im Kaukasus.

Ankunft in der Gegenwart, „im Echten“, dort, wo man im Fremden ganz bei sich sein kann, ist das Ziel der Reisen Andrej Bitows. Die Fahrt durch eine Schlucht, über eine löchrige Brücke, die den Blick auf ein Autogerippe tief unten im gischtenden Wasser freigibt, gleicht einem Augenrausch. Als hätte der Mensch die Welt soeben zum erstenmal betreten. „In Georgien schrieb ich über Rußland, in Rußland über Georgien.“ Hingerissen von Tiflis und den Landschaften des Süd-Kaukasus, umkreist Andrej Bitow in seinem Georgischen Album ein Thema der russischen Dichtung, das heute wieder aktuell ist: Georgien als Zuflucht. Als Ort der Erholung von imperialer Verfolgung …

Vom Leben auf dem Landgut der Familie angeödet, begleitet der junge Lew Tolstoi 1851 seinen ältesten Bruder Nikolai, der im Kaukasus dient, an seinen Einsatzort Starogladkowskaja, eine Kosakensiedlung am Terek. Seit Jahrzehnten führt das russische Imperium in der Region Krieg. Erst 1859 gelingt es, die muslimischen Kaukasusfürstentümer zu besiegen. Doch um welchen Preis! Tolstoi, der an Gefechten teilnimmt und verwundet wird, kennt den Krieg aus eigener Anschauung. Er beschreibt die Tragödie aus allen Perspektiven: an der Seite gelangweilter russischer Soldaten, die zum Freizeitvergnügen ein tschetschenisches Dorf zerstören, und neben den Überlebenden, die in den Trümmern ihrer Behausungen hocken. Mit scharfer Beobachtungsgabe schildert er die Geschichte der „Kaukasier“, der russischen Abenteurer, die sich auf ein Leben einlassen, an dessen Fremdheit sie scheitern. – Ein Werk mit dem Titel Krieg im Kaukasus hat Tolstoi nie geschrieben. Aber er hat sein Leben lang über den Kaukasus geschrieben. Der Band konfrontiert den frühen mit dem späten Tolstoi.

 

Rosemarie Tietze studierte Theaterwissenschaft, Slawistik und Germanistik und arbeitet als Übersetzerin, Dolmetscherin und Dozentin. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Paul-Celan-Preis. 2009 erschien bei Hanser ihre vielgelobte Übersetzung von Lew Tolstois Anna Karenina. Rosemarie Tietze lebt in München.

 

 

Die Veranstaltung wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Köln.
Karten an der Abendkasse 6,– €, ermäßigt 4,– €,
für Mitglieder der Literarischen Gesellschaft frei.

  • GEORGIEN UND DER KAUKASUS: Ein Abend mit der Übersetzerin Rosemarie Tietze
  • Termin: 20. September 2018 — 19:30 - 21:00
  • Ort: Der andere Buchladen, Weyertal 32
  • Zielgruppe: Erwachsene
  • Eintritt: 4€ - 6€